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Waldbeobachtung im April 2021

Dermbach

Ich wohne im Werratal und habe die einzigartige Möglichkeit, zwischen 2 Mittelgebirgen auszuwählen.
Auf der einen Seite das Faltengebirge des Thüringer Waldes und auf der anderen Seite die Vulkanberge der Rhön.

Die Rhön liegt im Dreiländereck von Thüringen, Hessen und Bayern: Thüringische Rhön, Hessische Rhön und Bayerische Rhön.

Ab diesem Frühjahr werde ich mir verstärkt die Wälder der Thüringischen Rhön anschauen und darüber berichten.

 
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BAIER

EMBERG 

Ich beginne meine Tour an der EMBERGHÜTTE (Bild rechts) ~ 500m ü NN.

Von hier hat man einen herrlichen Blick auf weitere Bergkuppen der Rhön wie dem HORN, der STOFFELSKUPPE dem PLESS bis hinüber zum Thüringer Wald mit dem Inselsberg auf 916 m ü NN.

Hier verläuft auch der Premiumwanderweg " HOCHRHÖNER"

HORN, STOFFELSKUPPE und PLESS werde ich mir auch noch genauer anschauen.

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Thüringer Wald

Pleß

Stoffelskuppe

Horn

Im Jahre 1991 erfolgte die Ausweisung als Biosphärenreservat durch die UNESCO, die die Rhön als eine einzigartige Region ausweist.

Der Name "RHÖN" soll wohl aus dem keltischen Wort ROINO ( Hügel)  zurückzuführen sein.

 

Die KELTEN siedelten nachweislich vor über 2000 Jahren in diesem Gebiet. Auf vielen Bergen entstanden solche befestigte Anlagen mit Gräben und Schutzwällen.

Man erkennt noch im Bild rechts die errichteten Wallanlagen aus dem Basaltsteinen.

Die Natur ist in diesem Jahr durch die auch jetzt noch kalten Temperaturen in ihrer Entwicklung noch ganz schön zurück.

Doch die ersten Frühblüher wie BUSCHWINDRÖSCHEN, GELBES WINDRÖSCHEN, HOHLER LÄRCHENSPORN und vor allem das BÄRLAUCH stehen schon recht gut .

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Früher nannte man die Rhön "BUCHONIA", was vielleicht damit zu tun hat, dass vor allem die Buche die dominante Baumart hier ist. Der Baumbestand beträgt in der Rhön nur noch 30 %. Natürliche Nadelwälder gibt es in der Rhön nicht.

Und so erkennt man auch hier am EMBERG ebenso wie im Thüringer Wald dass die Reste der Fichte auch schon am Waldrand als Polder zu finden sind.

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Aber wir sind ja im Lande BUCHONIA und der 2. Hauptbaumart, der BUCHE,  geht es kaum besser als der Fichte. Auch hier scheint durch den Wassermangel der letzten  Jahre der Bestand gefährdet. Aber es finden sich auch prächtige Stämme darunter, die bestimmt dem Forst einen guten Gewinn einfahren lassen. Und das ist ja nun mal das Hauptgeschäft des Forstes und der Waldbesitzer!!
Sieht aus wie "Containerware"! Dem Chinesen wird es freuen!!

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Der Weg hinauf zum BAIER ist steil. Da ich erst einen Umweg gelaufen bin, konnte ich auch erkennen, dass wir in einem Reservat sind, wo die Natur auch ab und zu mal einen Baum umwirft. Es macht auch irgendwie den Reiz dieses Waldes aus. 

Der abfallfreie Weg, den die Natur geht zeigt, dass wir noch sehr viel von ihr lernen können 

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Endlich am Ziel meiner schweißtreibenden Wanderung: Der Gipfel des BAIER. 

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Nun war es auch Zeit für ein kleines Frühstück mit dem Bärlauch von nebenan. Noch einen Eintrag in das "Gipfelbuch" und dann ging es wieder frisch gestärkt zurück zum Ausgangspunkt meiner Wanderung

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BAIER

Gehaus

Wölferbütt

Mariengart

Oechsen

Dietrichsberg

Öchseberg

Arzberg

Völkershausen

 

Bevor ich meine Touren durch die Thüringische Rhön fortsetze, möchte ich heute in diesem Beitrag auf ein Jubiläum eingehen, welches sich auch vor allem auf unseren  Thüringer Wald bezieht:

Das RENNSTEIGLIED von Herbert Roth wird 70!

Es ist die heimliche Hymne von Thüringen und beschreibt die Schönheit unserer Gegend und vor allem den Thüringer Wald mit dem Rennsteig. Das Lied zeigt auch die Liebe zu unserer Heimat sowie die Lebensfreude die uns Menschen beim WANDERN widerfährt.

 

Und genau dafür steht ja auch der Name RENNSTEIG für einen Ort der Begegnung und der Wanderlust. Ja es gibt sogar einen eigenen Gruß am Rennsteig: "Gut RUNST".

Und so steht es auch im Lied:
Am schönsten Plätzchen dieser Welt, da find ich meine Ruh

Nun, vom "schönsten Plätzchen dieser Welt" ist schon lange keine Rede mehr hier am Thüringer Wald. Bemühten sich Förster bis in die neunziger Jahre noch, einen schönen Erholungs- und Erlebniswald für die Bevölkerung zu gestalten, ist dies heute nur noch Thema von Werbebroschüren und Sonntagsreden. Betriebswirte und Technokraten haben das Ruder übernommen, in erster Linie ist der Wald Wirtschaftsobjekt.

Der Rennsteig wurde hier bei uns im westlichen Thüringer Wald zur Forstautobahn umgebaut.

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Denn wenn der Thüringen Forst etwas kann dann ist es TECHNIK, vor allem Großgerätettechnik. Und so sehen dann die Wälder auch aus:

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Und es klingt schon fast wie Hohn, nein es ist eine Verhöhnung aller waldliebenden Menschen  wenn ThüringenForst wirbt mit den Slogan:

"WIR MACHEN DEN WALD FÜR SIE"

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Die Fotos sind am 16.April 2020 entstanden. 

Selbst unsere Presse (Freies Wort vom 15.04.2021) wagt sich so langsam aus der Deckung und schreibt:

ZITAT:
"Die Begründungen dafür, dass es vielerorts am Rennsteig aussieht, als wäre ein Komet eingeschlagen, und man zornig darüber grübelt, wer denn eigentlich schlimmer sei, - böser Käfer oder böser Harvester - höre ich viele. Nur alleine : Ich glaube sie nicht. Da hat er schon recht, der Herbert Roth, man muss die Natur kennen und lieben, um sie auch ein wenig zu achten" 
ZITAT ENDE

Und weiter schreibt die Zeitung vom 15.04.2021:

Zitat:
Der Thüringer Wald ist eben nicht nur Wirtschaftsraum, sondern auch Kulturgut.
ZITAT ENDE

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Was hätte wohl Herbert Roth heute zu seinem Rennsteig gesagt!!!

Bleiben Sie ACHTSAM bei Ihren Waldbeobachtungen!!

 

28.04. 2021 - 2. TOUR:

Von der Kutte bis zur Stoffelskuppe

Urnshausen

Bernshausen

Bernshäuser Kutte

Meine heutige Tour durch die Wälder der Rhön führt mich von der Bernshäuser Kutte rund um die Stoffelskuppe

Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen  Wanderwetter begann meine Tour heute an der Bernshäuser Kutte.

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Die Bernshäuser Kutte ist ein 45 m tiefer, kreisrunder Erdfallsee der sich etwa 500 m südöstlich von Bernshausen, einem Ortsteil der Gemeinde Dermbach im Wartburgkreis in Thüringen, befindet. Er gilt als der größte See der Thüringer Rhön.

Die Bernshäuser Kutte ist als Geotop unter Naturschutz gestellt. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet erfolgte am 16. Oktober 1942 und umfasst heute ein Gebiet von 13,06 Hektar

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Es stehen rund um die Kutte nur Laubbäume wie Rotbuche, Eiche Hainbuche und im Randbereich erkennt man noch die Kirsche und Ebereschen.

Der Wanderweg ist gut ausgeschildert, denn er gehört zum Premiumwanderweg dem "HOCHRHÖNER".

Die Rhön wird auch auch bezeichnet als das "Land der offenen Fernen" und das macht auch den Reiz dieser Landschaft aus. Man hat herrliche Blicke zu den umliegenden Vulkanbergen. Ab und zu erkennt man einzelne sogenannte "Hutebäume" (Weidebäume)  genannt. Es waren Weideflächen, die als Gemeindeweiden ausgewiesen waren, auf die das Vieh täglich getrieben wurde. Und unter dem Hutebaum saß der Kuhhirte im Schatten und konnte seine Rinder gut beobachten.

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Es ist wohl doch die schönste Zeit des Jahres, wenn das Grün sprießt und die ersten Blüten z.B. der Schlehe oder des Weißdornes gerade zu erkennen sind.

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Übrigens:
Die Blüten des Weißdorn haben einen ganz feinen mandelartigen Geschmack. Ich habe ein paar wenige zusammen mit den ersten Blättern der Birke (Vitamin C) auf meinem  Brötchen zum Vesper gegessen,

Ein wunderbares Geschmackserlebnis.

Schon Sebastian Kneipp, Maria Treben, Paracelsus und Plinus sprachen der Pflanze große Heilkräfte zu. Heute weiß man, dass sich die Inhaltsstoffe des Weißdorns sehr positiv auf das Herz auswirken. 

1990 wurde dem Weißdorn die Ehre als Heilpflanze des Jahres gegeben.

Ich sammele seit Jahren die Blätter des Weißdorn für meine Teemischungen

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Eine interessante Waldgesellschaft konnte ich auf dem Weg zur Stoffelskuppe erkennen. Das  Revier gehört der DBU und hier konnte ich sehr schön sehen, wie die Birke als Pionierbaum wirkt.

Die Birke (Betula pendula) besiedelt schnell kahle Stellen. Die Birkensamen fliegen weit und wo sie landen, keimen sie schon nach drei Wochen und noch bevor das Jahr zu Ende ist, hat der junge Birkensprößling den ersten Höhentrieb hinter sich.

In der "naturnahen Waldwirtschaft" wird die natürliche Verjüngung der Wälder eine größere Rolle spielen als bisher. Pionierbäume verursachen eine Beschattung, oft sogar eine vollständige Überschirmung der zukünftigen Wirtschaftsbaumarten.

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Die Pionierbaumarten wie zum Beispiel Birke, Aspe, Vogelbeere, Salweide oder Traubenkirsche, treiben die Waldsukzession voran. Meistens handelt es sich um Rohbodenkeimer, die sich rasch nach Kahlschlag oder auf Sturmwurfflächen ansamen können. Alle diese Arten besitzen ein rasantes Jugendwachstum und sind daher in den ersten Jahren ihrer Entwicklung konkurrenz- und durchsetzungsstark und verfügen über eine gute Regenerationsfähigkeit nach Verletzungen. Ihre Standortsansprüche, vor allem an die Nährstoffausstattung, sind relativ gering.

Pionierbaumarten besitzen große ökologische Bedeutung für die Biodiversität in unseren Wäldern.

So sind Pionierbäumen auch bedeutend für die Tier- und Pflanzenwelt im Wald. Zahlreiche Insekten, Vögel, Säugetiere, Moose, Flechten und Pilze sind direkt oder indirekt von Pionierbäumen als Nahrungsquelle und Lebensraum abhängig. Darunter finden sich auch mehrere gefährdete und seltene Arten.

Pionierbäume nehmen wichtige Aufgaben auf den Kahlflächen wahr. Einerseits mildern sie klimatische Extreme wie Dürre, Frost oder Wind, andererseits nehmen sie das rasch umgesetzte Nährstoffpotenzial mit Hilfe einer dichten Feindurchwurzelung auf und bewirken eine Verbesserung des humosen Oberbodens.

Die Bedeutung von Pionierbaumarten für den Aufbau gemischter, anpassungsfähiger Wälder im Klimawandel wird steigen.

Pionierbaumarten kommen durch ihr rasches Wachstum schneller in ökologisch wertvolle Dimensionen und dann früher entstehende Alt- und Totholzphasen, die einen wertvollen Beitrag zur Erhöhung der Biodiversität in den Wäldern leisten können. 

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Obwohl ich auch auf diesem kleinen Waldstück 8 Rehe beobachten konnte, war der Verbiss nicht sehr auffällig.

Ich wanderte diesmal aus Zeitgründen nur bis unterhalb der Stoffelskuppe wo man ein imposantes Geröllfeld aus Basalt sehen kann. Es war wieder einmal eine sehr interessante Wanderung zwischen "Kutte und Kuppe"

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