JUNI 2021

09.06. 2021

Die Nebel lagen noch unter den Bergen als ich meine Tour RUND UM DEN NEUBERG begann.

Das Gebiet liegt, wie die gesamte Rhön, im Biosphärenreservat und mein Weg führte mich entlang des Premiumwanderweges dem HOCHRHÖNER

Nach einer kurzen Steigung trifft man auf die NEUBERGSHUT. Man nennt das Gebiet auch Wiesenthaler Wacholderheide. Die Bezeichnung leitet sich ab von der Gemeinde Wiesenthal, die im Foto oben im Nebelschleier liegt und von den zahlreichen Wacholdersträuchern, die hier stehen, ab. Ein durch Schafhut in früheren Zeiten geprägter Kalkmagerrasen, die in seiner Art und Ausdehnung wohl einmalig in Deutschland sein soll.

 
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In der Rhön erkennt man einen sehr hohen Laubwaldanteil, anders wie im Thüringer Wald, wo der Nadelholzanteil dominiert.

Es wird interessant sein zu beobachten, wie der Forst sich anstellt, den Laubholzanteil, vor allem im Thüringer Wald, der bei ca. 30% liegen soll wenn  es Fördermittel zur Wiederaufforstung geben soll, diesen dann auch pflegt.

Ich gehe schon einige Jahre durch unsere Wälder aber Pflegemaßnahmen in Form von WERTÄSTUNG habe ich noch nicht beobachten können.

Man pflanzt ja auch am liebsten TOTASTVERLIERER,  da hat man keine Arbeit mit. 

Aber wenn es dann darum geht, Bäume auch noch WERT ZU ASTEN,  damit man einen gutes Stück Holz ernten kann, da frage ich mich wo die Leute herkommen sollen, die so etwas realisieren. 

Doch die meisten "Waldbesitzer" (aus dem privaten oder kommunalen Bereich)  kennen ja noch nicht einmal den Unterschied zwischen TOTASTVERLIERER und TOTASTHALTER, geschweige denn die WERTÄSTUNG für besonders ausgewählte Bäume.

 

Wer wählt denn die Bäume aus und vor allem wer macht dann diese Arbeit, damit man auch einen WERT durch die AUFASTUNG erhält?

Ich kenne Förster in Baden- Württemberg, die in ihren Tannenwälder die Weißtanne bis auf 15 m Wertasten, um gute Preise für ihr Holz zu erzielen. 

Ich bin wirklich gespannt darauf, wie man in Zukunft die gewollten Mischwälder mit einen hohen Anteil an Laubgehölzen hier bei uns pflegt.  

Ich bin auf meinem Weg rund um den Neuberg auf des Spur vom RHÖNPAULUS. Und diese Spur führt in den IBENGARTEN. Auch hier gibt es interessante Waldbeobachtungen im Hinblick auf die EIBE. 

Am Fuße des Neuberges, befindet sich das Naturschutzgebiet "Ibengarten" mit dem ältesten Eibenbestand Mitteleuropas. Dieser "Garten" beherbergt ca. 368 über 500 Jahre alte Eiben auf etwa 58 ha. 

Der Ibengarten gilt als größter Bestand wildwachsender Eiben im Lande Thüringen und wurde am 24. Januar 1938 auf der Rechtsgrundlage des Reichsnaturschutzgesetz (vom 26. Juni 1935) unter Naturschutz gestellt. Es ist damit das älteste Naturschutzgebiet im Biosphärenreservat Rhön und zugleich eines der ältesten Naturschutzgebiete in Thüringen

Wie geht man mit diesem Schatz um. Das wird eine interessante Waldbeobachtung werden.

Schon am Eingangsbereich vom Gipfel des Berges her erkennt man, dass Zaunanlagen gebraucht werden. Da sind wir wieder bei unserem alten Problem: WILDVERBISS! Ich erkenne neben großflächigen Zäunungsanlagen auch Einzelbaumschutz mittels Zaun.  

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Die Zaunanlagen zeigen, dass man auch in diesem Forstamt das Wildproblem nicht in den Griff bekommt. Und nicht nur den Jungwuchs, selbst viele der uralten Eiben muss man mit Zaunanlagen schützen. 

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Ob der Druck durch den immer dichter werdenden Buchenbestand Einfluss hat wird sicher durch den Forst und die "Eibenfreunde" genauestens beobachtet und dokumentiert.

Das nasse und milde Klima dieses Jahres scheint den Eiben gut zu bekommen, wie man am Wachstum der jungen Eibe im Bild unten gut erkennen kann.

Ein weiteres Problem sind die durch Erosion freigelegten Wurzeln vieler Eiben direkt am Wanderweg. Hoffentlich halten sie sich noch lange. 

Die STAUDT EIBE ist wohl der bekannteste Baum im Ibengarten. 

 

Der Baum ist nach Förster Otto Staudt benannt, der 1920–1936 das Dermbacher Revier leitete und sich um die Ausweisung des Eibenbestandes hier am Neuberg, als Naturschutzgebiet verdient gemacht hat.

Schaut man sich achtsam um erkennt man das dort, wo die Eiben nicht gezäunt sind auch kein Anflug durchkommt. Hier haben die jungen Eiben keine Chance.

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Ja und dann habe ich ihn doch noch getroffen, den wohl bekanntesten Mann hier in diesem Revier:
DEN RHÖNPAULUS

Viele Geschichten und Anekdoten ranken sich um den in WEILAR geborenen Johann Heinrich Valentin Paul.

 

Mit 20 Jahren wurde er Soldat und zog in den 7- jährigen Krieg, da ihm der Bauer die Heirat mit seiner Tochter verwehrte. Aus dem Krieg in die Heimat zurückgekehrt, konnte er sich nicht mehr an ein normales Leben gewöhnen und fristete sein Dasein mit Diebstahl, vorwiegend bei wohlhabenden Bauern, Wilderei und Schmuggel. Unterschlupf fand er in einer Höhle im Neuberg bei Glattbach, der sogenannten Paulushöhle, deren eingefallenen Eingang man heute noch sehen kann. Verfolgt und mehrfach in Kaltennordheim eingesperrt, konnte er sich immer wieder befreien, bis er 1780 wegen Abschuss der schönsten Hirsche im herzoglichen Forst erneut eingefangen, verurteilt und im Pauluskasten zum Galgen gebracht und hingerichtet worden ist.

Und einige seiner Geschichten kann man auf der Webseite von DERMBACH sehr gut nachlesen.

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Mit einen Blick aus der Luft auf GLATTBACH und die herrliche Alleenstraße von Dermbach nach Kaltennordheim führte mich mein Weg wieder zurück zum Ausgangsort auf den Parkplatz Neubergspitze (ca. 5 Km Wanderweg)

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Glattbach