MONAT
OKTOBER 2020:

 

01.10.2020

Das Waldgebiet am NEUFANG
Waldbeobachtung rund um den Neufang und weiter zum Napoleonshut in der Nähe des Rennsteiges in Thüringen

Das Gute ist, man braucht nicht mehr so früh aufzustehen um die Morgensonne zu genießen!


So gegen 8:20 Uhr begann meine Wanderung vom Glasbachstein am Rennsteig hinüber zum Neufang. Vergangene Woche hatten wir mit dem Schutzmaßnahmen für die gepflanzten Lärchen begonnen.
Da wir heute keinen Einsatz planen konnten, habe ich meine Waldbeobachtungen in diesem Gebiet begonnen.

Immer wenn Fels und Baum zusammentrifft entsteht ein uriges Bild von einer Waldlandschaft ...

... doch wenn man dann die Massen an Baumresten sieht ist man sehr schnell wieder in der Realität.

Es kommt die Frage bei mir auf, wie viele Bodenorganismen man braucht, um aus all den liegengebliebenen Ästen der Fichten und Buchen Humus entstehen zu lassen.

Natürlich ist Humus eine der Lebensgrundlagen für das Heranwachsen von Bäumen. Doch ich glaube, dass in den 400 Millionen Jahren die Bäume gelernt haben, die Mikroorganismen mit den abgestorbenen und heruntergefallenen Blättern, Ästchen, Früchten zu beliefern, die dann den notwendigen Humus mit den wichtigen Nährstoffen und Spurenelementen liefern, die gebraucht werden, um sich und den Nachwuchs zu versorgen, damit ein ordentlicher Baum heranwächst.

Rund vier Tonnen (Trockengewicht) an Laub, Ästen, Knospenschuppen, Früchten fallen JE HEKTAR JÄHRLICH im Buchenwald zu Boden.

Bäume benötigen für ihr Wachstum Sonnenlicht, Kohlendioxid, Sauerstoff, Wasser und mineralische Nährelemente.
Ein Baum holt sich für sein Wachstum 99% seiner "Ernährung" aus der LUFT und aus dem WASSER um damit Biomasse aufzubauen.

Er nimmt, wie alle grünen Pflanzen, Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und verarbeitet es mithilfe der Lichtenergie zu Zucker. 
Aus dem Boden holt er sich Makronährelemente wie Stickstoff (N), Phosphor (P), Schwefel (S), Calcium (Ca), Magnesium (Mg) und Kalium (K) auch Spurenelemente wie Eisen (Fe), Mangan (Mn), Kupfer (Cu) sowie Zink (Zn).

Aber das sind nicht einmal 1%!!

Die Frage ist, warum der gesamte Rest des Baumes im Wald verbleibt.
 

Da werden Käferholzstämme im Thüringer Wald zerhäckselt und nach Erfurt in die Verbrennung gefahren. Die Äste sowie das Reisig bleiben ungenutzt im Wald liegen.

Die Waldbauern in Südtirol und Österreich sammeln das Reisig und die Äste ein. Das wird dann auch zum Heizen verwendet.
(Foto -2016 - Südtirol - Wald im Grödnertal)

 

Ach ja ich hatte es fast vergessen!!
WIR THÜRINGER KÖNNEN UNS JA ÜBER MEHR WALDWILDNIS FREUEN
(Anja Siegesmund - Bündnis 90/ DIE GRÜNEN))

Als die Sonne über den Bäumen zu sehen war, hatte ich das Revier am Neufang erreicht. Der Weg hinauf zum Berg wurde neu geschoben. Das ist gut, denn dann können wir das Pflanzgut bis hinauf transportieren.

Mit den Aufnahmen von der Drohne hat man ein guten Einblick in diese Kalamitätsfläche und ist sozusagen das Ausgangsbild für unsere nächsten Einsätze, wenn der Zaun vom Forst errichtet wurde. Hier wird demnächst ein Zaun vom Forst aufgestellt, wo dann die verschiedensten Baumarten von uns eingebracht werden.

 

22.10.2020

Das Waldgebiet zwischen MITTEL- und  STELLBERG
Eine herbstliche Wanderung hinauf zum Geburtsort von Heinrich Cotta

Es war ein herrlicher sonniger Herbsttag und da lohnt es sich, diesen Tag in einem schönen Wald zu verbringen!


Das Revier zwischen Stellberg und Mittelberg kenn ich schon seit ein paar Jahren. Wir haben hier ein Saat- und Pflanzgatter angelegt, haben Versuche mit der gesäten Weißtanne unternommen, haben eine große Anzahl von Weißtannen eingebracht und auch im Eingangsbereich u.a. Ulmen, Ahorn, Linde und Erle gepflanzt. Es ist ein Privatwald der Familie von Rotenhahn.
(Mehr zu den Rotenhahn und dem Wald/Wildverständnis erfahren Sie hier)

Die Ulmen haben wir im Februar 2019 gepflanzt. Sie überragen jetzt schon das Kraut drumherum so dass wir nur noch darauf achten müssen, dass sie sicher vor dem Verbiss durch das Wild stehen.

In diesem Wald stehen verschiedenste Nadel - und Laubgeholze. Natürlich ist die Buche auch hier in der beginnenden Rhön die dominante Baumart. Aber was mich immer wieder an diesem Wald begeistert ist, dass auch die anderen Baumarten wie Ahorn, Lärche, Birke, Fichte, Tanne sowie die Küstentanne ihre Berechtigung in diesem Wald finden. Und was das Beste ist: Diese Bäume wurden nicht gepflanzt, sondern  sind die Nachkommen der schon vorhandenen Altbäume. Und was jeder, der sich mit Waldbau beschäftigt weiß: Unter dem Schirm der Altbäume wachsen die Nachkommen am besten heran.

Und wenn die Fichte auf dem Bild rechts dieses Jahr ein Wachstum des Terminaltriebes von ca. 50 cm erreicht hat, dann hat sie sicher einen guten Platz für ihr weiteres Wachstum. Dem einen Baum geht´s gut, der andere wird dürr. So passiert es nun mal im Wald.

Hat man eine breites Spektrum an verschiedensten Baumarten im Wald, dann wird es nie zu einer größeren Kalamität kommen. Habe ich nur eine Baumart im Wald, sieht es dann schon anders aus.

Noch ein Detail welches mir zeigt, wie die Natur regulierend auf den Wald wirkt.

Zwischen den Altbäumen der Küstentannen hat eine Rotte Wildschweine  das Waldstück ziemlich umgegraben.

Hier standen schon viele Nachkommen dieser Baumart. Eigentlich zu viele auf engstem Raum.
Doch die Tannen wissen schon warum sie so viele Nachkommen erzeugen. So ein Eingriff durch die Schweine schadet der Nachkommenschaft der Küstentannen in diesem Revier nicht. Der Waldbesitzer sorgt dafür, dass ein ausgewogenes Gewicht zwischen Wild und Wald besteht. Nur so kann Wald unbeschwert wachsen.

Über so einen Herbstwald freut sich jeder Naturfreund

Die Frage die ich mir beim Anblick dieses Waldes stelle:

Warum spüre ich in diesen Wäldern nichts von KLIMAWANDEL, DÜRRE und BORKENKÄFER?

Hat dieser Wald nur Glück gehabt durch seine spezielle Lage?  Hat es mit der Baumvielfalt zu tun? Bietet der Schirm der Altbäume den nötigen Schutz für die Nachkommen und trocknet dadurch auch der Waldboden nicht aus? Kann das Zusammenleben der Organismen im Waldboden mit den Baumwurzeln und dem Pilzmyzel durch schonende Waldarbeit besser harmonieren und dem Klima besser standhalten? Wirkt sich ein gutes Jagdkonzept auf den Waldaufbau positiv aus? Entstehen solche Wälder durch generationsübergreifende Weitergabe von Erkenntnissen im Waldbau?

Fragen über Fragen!!

Eines jedoch habe ich in diesen Wäldern gesehen und begriffen:

Nach Zäunen, Einzel- oder gar Verbissschutz sucht man hier vergebens. Dafür findet sich in dem Revier eine nahezu flächendeckende Naturverjüngung. Mit Gewissheit bildet aber das jagdliche Konzept in den Wäldern der BOSCOR-Gruppe die Grundlage für diese waldbaulichen Ambitionen.