MONAT NOVEMBER 2020:

 

03.11.2020

DER HEIMATSGRUND
Wie sich ein Wald zu einem Dauerwald entwickeln KÖNNTE! Eine theoretische Betrachtung

Ich habe über den Heimatsgrund am 05.03. 2020 schon einmal berichtet.

Insgesamt etwa 13 ha hat dieses Waldgebietes vom Heimatsgrund welches im Gemeindebesitz ist. Rechnet man noch den Tiergarten dazu kommt man auf rund 16 ha.

Das die Fichte auch hier am Absterben ist habe ich schon im März berichtet. Doch die Fichte ist nur eine Baumart von vielen, die im Heimatsgrund steht. 

Da kommt man beim Gedanke des Waldumbaues für die Zukunft  natürlich auf die Idee vom
Dauerwald

Tiergarten

Heimatsgrund

Was hat es auf sich mit dem Dauerwaldgedanken?

Der DAUERWALD steht für eine "Waldanschauung mit einer ganzheitlichen Betrachtung des Waldes als dauerhaftes, vielgestaltiges und dynamisches Ökosystem".(ANW)

Dauerwald ist:

  • ein dem Standort angepasster, naturnaher, gemischter, ungleichaltriger, bewirtschafteter Wald

  • ein Wald, der als funktionierendes Ökosystem mit effizienter Selbstregulierung, Selbsterneuerung und großer Stabilität durch stetige Pflege entwickelt und erhalten wird

  • ein Wald, in dem naturschutzfachliche Aspekte wie natürliche Prozesse, Pionierstadien, Habitatbäume, Totholz und andere wichtige Biotopelemente für die Stabilität des gesamten Waldökosystems beachtet werden.

Wenn die Gemeinde ihrem "desolaten" Wald wieder ein Gesicht geben will, warum nicht im Heimatsgrund zwischen Barchfeld und Schweina am Fuße des Thüringer Waldes so einen DAUERWALD errichten?

... Und wirtschaftlich erreicht man mit einem Dauerwald doch auch einiges:

  • Sicherung der Wertnachhaltigkeit durch stetige Produktion von wertvollem Holz und regelmäßige einzelbaum - bis horstweise Nutzung nach dem Plenterprinzip

  • ständige Bodenbedeckung und waldangepasster Technikeinsatz sichern Humus, Boden, Nährstoff- und Wasserhaushalt

  • Die Stetigkeit der Merkmale wie Vorrat, Struktur, Zuwachs, Nutzungspotenzial, Nachwuchs, luftfeuchtes windberuhigendes Waldinnenklima und Biotopholz werden laufend geprüft und bewertet. Hierdurch wird die Nachhaltigkeit seiner Wohlfahrtswirkungen gesichert

  • Konsequente Jagd für ökologisch und ökonomisch tragbare Schalenwilddichten ermöglicht die natürliche Regeneration einer standortangepassten, artenreichen Baum - Strauch - und Krautschicht

  • natürliche Regeneration als beste Chance zur genetischen Anpassung an das sich ändernde Klima 

Der Text stammt aus dem Sonderheft der ANW - 100 Jahre Dauerwald - Alfred Möller - der Begründer der Dauerwaldidee

Eigentlich eine WIN-WIN Situation für Naturschutz - Ökologie und Ökonomie

Schauen wir uns mit Blick auf diese Dauerwaldidee den jetzigen Wald am Heimatsgrund doch mal genauer an.

Von oben erkennt man, dass neben den abgestorbenen Fichten noch an Nadelbaumarten die Lärche und am herbstlich gefärbten Laub verschiedenste Laubbarten zu erkennen sind. Laufen wir einfach mal hinein:

Nutzt man den Wanderweg so erkennt am rechts sehr alte Eichen und dahinter stehen auch noch einzelne sehr alte Kirschen. Diese könnten als Habitatbäume noch ihren Dienst erfüllen.
Der Bereich links vom Wanderweg ist mit Buchen vor Jahren gepflanzt worden. Sie stehen in Reih und Glied wie die Soldaten. Des Standort ist relativ feucht so dass die Bäume auch in den trockenen Jahren 2018 und 2019 nicht leiden mussten.

Wenn ein Baum in den Augen eines Försters besonders wertvoll ist, dann markiert er den Stamm mit einem grünen oder weißen Farbring oder Punkt. Diesen Prozess nennt man Auslese. Eine vitale Krone und ein langer gerader gewachsener Stamm ohne Schadmerkmale kennzeichnen solche „Zukunftsbäume“. Diese Bäume sind das Kapital des Waldbesitzers.

Doch diese Fichte hat der Borkenkäfer übernommen wie fast alle Fichten an diesem Standort.

Der Wanderweg wird dann abrupt unterbrochen durch Sturmholz, welches noch nicht aufgearbeitet wurde. Hier wird es höchste Zeit, dass dieses beseitigt wird. 

Das Positive an diesem Wald erkennt man beim genauen hinschauen am Waldboden. Durch die Altbäume von Buche, Eiche, Kirsche und Lärche hat sich der Jungwuchs hier angesiedelt. Einige Junglärchen haben zum Teil schon übermannshohe Stämmchen gebildet. Und auch die Pionierbaumarten Birke und Eberesche kann man schon erkennen.

Totholz als Wasserspeicher und für den späteren Humus findet man natürlich auch zur Genüge im Wald. Daran ist zur Zeit kein Mangel.

Ich denke es lohnt sich dafür zu werben, um die Idee und die Gestaltung eines DAUERWALDES im Heimatsgrund umzusetzen. Hier müssen Bürgermeister, Gemeinderat, waldinteressierte Bürger und natürlich der Forst Hand in Hand auf dieses Ziel zuarbeiten. 

Nachtrag

23.11.2020

Am 23.11. 2020 haben wir uns getroffen, um den Wald von Heimatsgrund und Heide etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
 

 

Wir, das sind "waldinteressierte Bürger" aus unserer Region, denen die Entwicklung unserer Wälder  ebenfalls am Herzen liegt. Deswegen haben wir auch die Interessengemeinschaft "Zukunft Wald" gegründet, wo jeder Naturfreund herzlich willkommen ist.

Es gab angeregte Gespräche und wir waren uns alle einig, so etwas wie im Aschenberg mit Mulcher etc. (habe darüber berichtet) soll es hier in unserem Wald nicht geben!

Die Idee des Dauerwaldes mit der natürlichen Entwicklung zu einer Baumartenvielfalt zu gelangen, wurde aufgegriffen und intensiv diskutiert. Auch über den Gedanken eines Bürgerwaldes im Heimatsgrund wurde gesprochen.

 

24.11.2020

Pflanzaktion Thüringer Wald
Wir helfen mit beim Waldumbau im westlichen Thüringer Wald

Es wird höchste Zeit die Reden, Beschlüsse und Verordnungen in die Tat umzusetzen und aktiv bei der Neuausrichtung des Waldgedankens mitzuwirken.

Deshalb haben wir heute, bei wirklich "echtem" Novemberwetter mit unserer ersten gemeinsamen Pflanzaktion am westlichen Thüringer Wald begonnen. 

Obwohl der Zaunbau für diese Parzelle noch nicht durchgeführt wurde haben wir uns entschlossen, die jungen Bäume doch schon zu pflanzen. Je früher, desto besser.

 

Natürlich wissen wir, dass das Rotwild hier im Revier ziemlich aktiv ist, wir haben ja Augen im Kopf.

100 Küstentannen, dazu 10 Spitzahorn und 10 Schwarznuss hat Roland mitgebracht. Wir haben vor, 20 verschiedene Baumarten hier auszubringen.

 

Die Küstentanne (Abies grandis) haben wir seit einigen Jahren schon beobachtet. Sie hat den Stürmen der vergangenen Jahre  hier in unserem Gebiet sehr gut standgehalten und auch den sich ändernden klimatischen Bedingungen scheint sie sich  in den schon vorhanden Wäldern unserer Region im westlicher Thüringer Wald und der Thüringischen Rhön anzupassen. Ein guter Grund sie auch hier zu pflanzen.

Auch der Spitzahorn (Acer platanoides) und die Schwarznuss  (Juglans nigra) sind Baumarten von denen wir glauben, das sie  für die kommenden klimatischen Bedingungen geeignet sein können.
Aber wer weiß schon wie sich alles mal entwickelt. KEINER!! Da hilft wirklich nur praktische Erfahrung zu sammeln. Und so haben wir auch diese Baumarten mit eingebracht.

Nach gut 2,5 Stunden hatten wir die 100 Tannen, 10 Ahorn und 10 Schwarznuss im Boden. Danach haben wir, bis die Zäunung steht, einige der Tannen mit Plastenetze versehen und die Terminaltriebe mit Farbe bespritzt. Das kommt natürlich weg, sobald der Zaun steht. Besser wäre eine ausgewogene Wilddichte, aber das scheint hier wohl noch nicht zu stimmen!!  

 

30.11.2020

WIEDER AN DER HIRSCHWAND
Wir helfen den Jungtannen mit EINZELBAUMSCHUTZ gegen Wildverbiss

Es tut einem in der Seele weh wenn man sieht, wie immer mehr Altfichten dem Käfer zum Opfer fallen und aus dem Wald herausgenommen werden.

Die "Schirmwirkung" für die Nachkommen verschwindet und die jungen Bäume egal ob Fichte, Lärche, Buche oder Weißtannen sind nun an vielen Stellen hier im Wald der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt.

Mit den Fichtenstämmen kann man zur Zeit wahrscheinlich noch gut Geld verdienen in China.

Aber fangen wir von vorne an:

"Chinaholz"

Wie ich schon öfters berichtet habe, helfen wir schon seit ein paar Jahren den Weißtannenanflug an der Hirschwand in der Thüringischen Rhön gegen Wildverbiss zu schützen.

Ich bin gerne hier oben an der Hirschwand, man hat so einen herrlichen Blick ins Werratal und hinüber zum Thüringer Wald.

Breitungen

Die Bäume, die wir heute schützen wollen, sind schon aus dem Stadium heraus, wo Reisig und Schafwolle noch geholfen haben.

 

Deswegen haben wir uns entschlossen, den abgebauten Verbissschutzdraht vom Forst zu nutzen.  RECYCLING !!

Wir haben ihn auf Länge zurechtgeschnitten und danach vor Ort transportiert.

Und so konnten wir an diesem Nachmittag (von 12 - 15 Uhr) 10 Weißtannen mit einem Drahtverhau einhausen. Wir glauben, dass mit dem EINZELBAUMSCHUTZ eine Methode in unseren Wäldern anzuwenden ist, die auch dem Wild entgegen kommt. Statt große Flächen mit Draht - und Holzgattern einzuzäunen, bietet diese Art Wildverbissschutz auch dem Wild einen größeren Freiraum. 

Und die sogenannten "WUCHSHÜLLEN" zeigen auch sehr deutlich ihre Schwächen auf. Sobald der Baum oben rausschaut, wird er vom Wild angenommen. Das Ergebnis sieht sehr oft so aus wie im Bild rechts.

Es war wieder ein guter und interessanter Nachmittag und wir sind gespannt, wie sich unsere Schutzmaßnahmen nach dem Winter auf die Weißtannen ausgewirkt haben

Auf der Rückfahrt haben wir uns die vom ThüringenForst vor einigen Jahren in den Fichtenwald gepflanzten Tannen kurz vor dem Steinsee noch angeschaut. 

Ein ziemlich trauriger Anblick

Es ist leicht möglich, viel Geld ohne große Wirkung im Wald zu lassen.