13.05.2020

Wenn die "Eisheiligen" zuschlagen

Heute habe ich wieder einmal eine Wanderung vom Glasbach über Lutherdenkmal zum Hohen Schuß, rüber zum Jägerstein (Rast) und dann zum Rennsteig über Meilerstätte und Glöckner zurück zum Glasbach. 

Es viel mir sofort ins Auge, dass der Frost in der Nacht vom 11. zum 12 Mai hier oben am Rennsteig doch die jungen Triebe der Buche in Mitleidenschaft gezogen hat.

Die "EISHEILIGEN" waren dieses Jahr pünktlich da und der erste Eisheilige MAMERTUS hat auch gleich hier oben am Rennsteig zugeschlagen.

In Norddeutschland gelten Mamertus, Pankratius und Servatius als Eisheilige. Im Süden und Südosten des Landes werden neben Pankratius und Servatius auch Bonifatius und die„Kalte Sofia“ dazu gezählt. Dabei handelt es sich um frühchristliche Bischöfe und Märtyrer.

Um sie herum wurden in der Vergangenheit zahlreiche Bauernregeln überliefert, die die Gartenregel festhalten: „Pflanze nie vor der kalten Sophie“ oder „Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder“.

Und besonders schön: „Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost“. Gefunden im Netz - hier

Und nicht nur die jungen Rotbuchen, sondern auch die jungen Eichen und selbst die Triebe der Fichten hat es an manchen Stellen erwischt.

Sicher werden sich die jungen Bäume davon erholen. 

Die Frage die ich mir aber stelle ist, ob das auch für unsere Wälder und vor allem für die zahlreichen Neuanpflanzungen auf den vielen Großkahlflächen gilt.

Bekannt ist ja, das sich auf diesen Kahlflächen ein in der Forstwirtschaft bekanntes Phänomen einstellt, - das FREIFLÄCHENKLIMA.


Normalerweise wachsen ja im Wald die jungen Bäume immer im Schutz der Altbäume. Aber auf den Neuanpflanzungen der Kahlflächen sind sie der Witterung voll ausgesetzt, Regen, Sonne, Wind, Bodenaustrocknung etc.

Diese Sache kennt man auch schon seit den Orkan- und Börkenkäferschäden von 1946 am Thüringer Wald.

Man weiß auch seit dieser Zeit, dass es durch Spätfröste damals zu größeren Kulturschäden gekommen ist.

Damals kam man zum Ergebnis, dass die rasche Wiederherstellung des WALDKLIMAS zum Schutz der Hauptbaumarten durch sogenannte VORWÄLDER (Vorwaldbegründung) erreicht werden kann.  1948 und 1954 wurden Vorwälder planmäßig auf ca. 6000 ha begründet.

Die SANDBIRKE nahm 75% der Vorwaldfläche ein.

Bereit ab dem dritten Jahr erfüllte die Birke ihre Vorwaldfunktion, jedoch nur bis in eine Höhenlage von 650 Metern.
 Darüber wurde mit MOORBIRKE gearbeitet.

Von den Vorwaldbaumarten hat sich in den Hochlagen nur die Vogelbeere bewährt. Von Bedeutung war auch die Lärche und in feuchten Frostlagen die Roterle.

 

Der Forst beschreibt dies alles in seiner" Forstchronik von Thüringen" sehr gut und nennt die Ergebnisse von damals ERFAHRUNGSSCHATZ

(aus Forstchronik Thüringen - Kapitel 6 -  Seiten 67 - 68)

Es wird interessant sein, dieses Phänomen des Freiflächenklimas auf den vielen schon bepflanzten Kahlflächen hier am westlichen Thüringer Wald genauer zu beobachten.