MONAT AUGUST 2020:

 

13.08.2020

Der Borkenkäfer am westlichen Thüringer Wald

Zur Einleitung etwas zum BORKENKÄFER:
 

"Der Borkenkäfer wird oft als FEIND der Bäume bezeichnet. Das ist natürlich blanker Unsinn. Die Natur erschafft keine Feinde. Feindschaft ist eine Erfindung von Menschengehirnen. In einem ausgewogenen Ökosystem übt der Borkenkäfer die wichtige Funktion der Gesundheitspolizei aus. Nur wenn die Verhältnisse weit von dem weg sind, was einen stabilen und gesunden Wald ausmacht, kann sich der Käfer außerordentlich verbreiten und dem nach Geld strebenden Menschen so manche Monokultur wegfressen. Daher rührt das Unwort vom Feind."

schreibt der ehemalige Förster und Ing. Dr. ERWIN THOMA in seinem Buch "Die geheime Sprache der Bäume"

Am 07.08.2020
berichtet der MDR THÜRINGEN, dass der ThüringenForst HOLZLAGERPLÄTZE einrichtet, um Fichtenholz SICHER  vor dem Borkenkäfer zu lagern!!

MDR THÜRINGEN - THÜRINGEN JOURNAL - 07.08.2020  (Mediathek). 
In ca. 4 Wochen sind die Arbeiten für das Holzlager fertig ( September 2020)

Merke: 07. August 2020

Schauen wir mal, wie es dem Holz nach dem Sturmereignis vom Januar 2018 zwischen Kissel, Arnsberg und Ringelstein so ergeht

18. Januar 2018 - Sturmtief Friederike 

Am 18. Januar 2018 erreichte uns das Sturmtief Friederike und richtet auch große Sturmschäden am westlichen Thüringer Wald rund um die Reviere Kissel/Alte Warth an. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt unserer Augenmerk auf die Arbeiten im "COTTAWALD" gerichtet, wo Friedericke auch zugeschlagen hatte.

Die ersten HOLZPOLTER rund um Alte Warth und Kissel habe ich am 11. August 2018  direkt an der Kisselstraße mitten im Wald fotografiert

11. August 2018 - Kisselstraße

Die Beseitigung der Sturmschäden war aber zu diesem Zeitpunkt auch hier noch in vollem Gange.

Die ersten "KÄFERHOTELS" entstanden!

10. Mai 2019 - Kisselstraße

Erst im Mai 2019 konnte ich die nächsten Aufnahmen an der Kisselstraße machen. Die ersten Anpflanzungen nahe der Straße konnte man schon erkennen. Die Holzpolter lagerten noch immer an der Straße mitten im Wald

26. Juni 2019 - Kisselstraße

Man wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass es wohl keine Möglichkeit gab, die Holzpolter aus dem Wald zu transportieren und setzte Gift ein zur Bekämpfung des Borkenkäfers.

26. Juni 2019 - Kisselstraße

Wenn Fichtenholz direkt am Fichtenwald gelagert wird, so ist das eine Einladung an jeden Borkenkäfer!!

03. Juli 2019 - Arnsberg

21. August 2019 - Ringelstein

Vor etwa einem Jahr am 21. August 2019 konnte ich fotografieren, wie direkt neben der "Weißen Frau" vom Pumpälzweg am Ringelstein kurz hinter dem Kissel neue Polter eingerichtet wurden. Auch hier lagerte das vom Käfer bereits bezogene Holz direkt am Fichtenwald des Kissels.

Da wird Holz im Wald gelagert, welches schon vom Käfer befallen ist. Idealzustand für den Käfer um sich weiter zu vermehren. Man lädt den Borkenkäfer regelrecht ein um sich in den Restbestand der Fichten auch noch einzunisten. 

Selbst neben dem berühmtesten Wanderweg Deutschlands (Rennsteig) konnte man die Holzpolter erkennen. Es gibt kaum einen Forst- oder Wanderweg, der nicht von Holzstapeln begrenzt wird. Man merkt es immer mehr:

Das "Grüne Herz Deutschlands" hängt am Tropf!!!

13. August 2020 - Ringelstein

Heute habe ich den Ringelstein wieder besucht und die Holzpolter sind immer noch da. Nun ja jetzt können sie ruhig liegenbleiben, denn als Brutstätte haben diese Stämme ausgedient.

13. August 2020 - Ringelstein

Doch wenn man die vielen braunen Fichten sieht, die alleine hier oben in diesem Gebiet stehen, dann weiß man, dass der Käfer, in der weiß ich wie viel´ten Generation, immer noch fleißig seine Arbeit verrichtet. 

FAZIT:

2007 hat man das Sturmholz von "Kyrill" weitab vom Wald bei Ohrdruf gelagert.

 

Jetzt, fast 3 Jahre nach "Friedericke", kommt der ThüringenForst auf die Idee das Holz wieder weitab vom Wald zu lagern. 

Doch heute muss man eine andere Überschrift über das Lager erfinden, nicht STURMHOLZLAGER, sondern KÄFERHOLZLAGER.

Foto: forstwirtschaft-in-deutschland.de

Kyrill hat gezeigt, wenn man das Sturmholz rechtzeitig aus dem Wald holt, blieb für die "Gesundheitspolizei" wenig zu tun. Es gibt kaum etwas über Borkenkäfer aus dieser Zeit zu berichten.

Nach "Friedericke", wo man das Holz aber an den Waldwegen gelagert hat, begann die massive Ausbreitung des Käfers. Natürlich auch begünstigt durch die Klimaentwicklungen ( Hitze, Trockenheit) in den darauf folgenden Jahren.

Und es ist noch lange nicht vorbei:

Wie sagte mir ein älterer Förster bei einem Waldspaziergang vor 2 Jahren:
"Wenn im Wald unsauber gearbeitet wird kommt der Käfer."
Dem ist nichts weiter hinzuzufügen, denn dafür hat ihn die Natur erschaffen!!

 

19.08.2020

Im Lande "Buchonia" - Beobachtungen in der Thüringischen Rhön

Die Rhön besitzt nur noch 30% Wald. Meist zieht sich der Waldsaum um die einzelnen Basaltkuppen herum. Das ist schön für das Auge, denn man kann sehr weit schauen. Die Rhön wird deshalb auch "das Land der offenen Fernen" genannt.

 

Die Hauptbaumart in der Rhön ist die Rotbuche

Ich besuche heute den Waldsaum zwischen FÖHLRITZ und BRUNNHARTSHAUSEN,  vom Gläserberg (670 m üNN) bis zum WALTERSBERG (673 m üNN)

Wie man auf dem Foto oben erkennen kann, sind die braunen Baumspitzen die ersten Anzeichen für absterbende Buchen. Und es war ziemlich beängstigend, was ich im Wald rund um den Waltersberg von oben erkennen konnte.

Es sind offensichtlich vor allem Bäume auf schlecht wasserversorgten Standorten betroffen. Die Ausfälle häufen sich besonders an den Waldrändern. Wir haben es hier mit Basaltgestein zu tun, mit einer verhältnismäßig dünnen Schicht von Mutterboden und Humus. Die Ursache liegt sicher an zu wenig Niederschlag, lang anhaltende Hitze und hohe Sonneneinstrahlung.

Am Thüringer Wald hat es mit der Fichte genau so begonnen, auch erst an Waldrändern und in Höhenlagen zwischen 500 und 700 m üNN.

Auch eine vermehrte Fruchtbildung hat an  vielen Standorten die Vitalität der Buchen herabgesetzt.

 

Es fällt auf, dass an meist älteren Buchen vielerorts die Kronen absterben oder die Äste nicht ausreichend belaubt sind. Oftmals finden sich nur noch im unteren Bereich des Baumes Äste mit grünen Blättern, während sie weiter oben bereits abgestorben sind.

Man erkennt deutlich, dass sich eine Verschlechterung der Kronen bemerkbar macht. Der Bereich zwischen den Wipfeltrieben wird nicht mehr ausgefüllt, sie ragen wie Spieße aus der Krone.

 

Sonnenbrand und abplatzende Rinde sind an Starkästen und am Stamm zu finden. Immer mehr Starkäste brechen durch Trockenheit ab. Zeitgleich können untere Äste noch grün belaubt sein.

Man muss sie weiter beobachten, ob die Verluste größer werden oder ob sie sich in "normalen" Jahren wieder erholen werden.

Das es dieses Problem mit der Buche schon länger gibt zeigen die eingewachsen Buchenstämme am Rande des Forstweges auf dem Waltersberg. 

FAZIT:

Ob sich der Buchenwald am Waltersberg wieder erholt oder ob das Baumsterben in der Rhön sich  dramatisch weiterentwickelt muss man weiter beobachten.

 

Für das Wanderland Rhön am Premiumwanderweg "Hochrhöner" wäre es neben den forstwirtschaftlichen Schaden vor allem auch ein touristisches Problem, was auf die Menschen in der Rhön zukommt.