"COTTA-WÄLDCHEN"

ehemalige Zillbacher  Forstbaumschule

Die COTTA-Plantage zu Zillbach

11.09. 2019

Das eine PLANTAGE nicht immer nur für Monokultur steht zeigt die COTTA- Plantage bei Zillbach in der Vorderrhön. Doch dazu später mehr.

Heinrich Cotta, der bekannte deutsche Forstwissenschaftler, hatte in dem kleinen Ort Zillbach bei Wasungen seine erste forstliche Lehranstalt gegründet. Als einer der Begründer der FORSTWISSENSCHAFT hat er Weltgeltung erhalten.

Der COTTA-PLATZ in Zillbach

Das sogenannte "Weiße Haus" oder Pächterhaus in Zillbach, in dem die forstliche Lehranstalt HEINRICH COTTAS 1793 - 1795 untergebracht war und an der ab 1794 GOTTLOB KÖNIG am Unterricht Cottas teilnahm.

Nach der herzoglichen Anerkennung seiner Forstschule am 27. März 1795 verlegte er sie zusammen mit dem Internat wegen starker Zunahme der Schülerzahl vom Pächterhaus in das vom Herzog zur Verfügung gestellte JAGDSCHLOSS zu Zillbach.

 

Im Herbst wurde sie eröffnet.

 

GOTTLOB KÖNIG gehörte zu den ersten Schülern , die Heinrich Cotta in seiner nunmehr öffentlich anerkannten Anstalt unterrichtete

Heinrich Cotta ist der Begründer der modernen, nachhaltigen Forstwirtschaft und Forstwissenschaft und leistete den Übergang von der „Holzzucht“ zum „Waldbau“ als einer ganzheitlichen „Wissenschaft und Kunst zugleich“. Cotta prägte den Begriff „Waldbau“ überhaupt erst, vor allem durch sein berühmtestes Buch Anweisung zum Waldbau (1817) (WIKIPEDIA)

Wussten Sie das es 55 Forstbaumschulen in der ehemaligen DDR gab?
Und dass die Forstbaumschule "Heinrich Cotta" in Zillbach mit rund 50 ha die größte im ehemaligen Bezirk Suhl war? Die Einwohner von Zillbach ehrten so auf ganz praktische Weise das Vermächtnis ihres großen Sohnes Heinrich Cotta.

Rund vier Millionen Jungbäume hat diese Anzuchtstätte allein in Jahre 1989 ausgeliefert. Sie reichten für eine Fläche von 1.000 Hektar.

Alle 55 Forstbaumschulen der ehemaligen DDR zogen auf insgesamt 1 300 Hektar Baumnachwuchs heran. Damit konnten jährlich rund 23.000 Hektar Wälder aufgeforstet werden.

Aus der Luft kann man noch sehr gut die Terrassen für die Anpflanzungen links und rechts des Weges der ehemaligen Forstbaumschule "Heinrich Cotta" erkennen.

Am "COTTA- WÄLDCHEN" bei Zillbach

Nicht weit weg von seiner Lehranstalt in Zillbach legte Heinrich Cotta für seine Schüler 1792 die "COTTA PLANTAGE" an.

Bis 1794 wurden 166, bis zu seiner Abreise nach Tharandt 437 Baumarten gepflanzt, wie man auf der Infotafel am Eingang des kleinen Waldes nachlesen kann.

225 Jahre alte Bäume? Da muss man doch mal reinschauen.

Das müsste doch ein "Wallfahrtsort" für unsere auszubildende Forstintelligenz aus Gehren, Erfurt, Tharandt, Göttingen oder sogar Rottenburg sein, ODER?

Seine damaligen Schüler haben es ihm jedenfalls gedankt und im Waldzentrum ein Steinsäule mit der Dankesbekundung aufgestellt. Dazu auch noch den Satz von Heinrich Cotta in Stein gemeißelt:

Der Beruf des Forstmannes ist halb Kunst und halb Wissenschaft
und nur die Ausführung macht hierbei den Meister  - HEINRICH COTTA 1811

Heute ist die COTTA- Plantage ("Cotta- Wäldchen" genannt) eine ziemlich traurige Angelegenheit. Da ist nicht mehr viel von KUNST und WISSENSCHAFT  im FORST zu sehen. Es zeigt sich schon daran, dass es überhaupt keinen Hinweis im Ort auf dieses Waldstück gibt.

In der Mitte der Plantage sind 3 schon in die Jahre gekommene Tafeln über die Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktion eines Waldes angebracht, was mit dem eigentlichen Thema überhaupt nichts zu tun hat. Ich freute mich auf die Aufzählung der gepflanzten Bäume von Heinrich Cotta - vergebens.

Vor einigen wenigen Bäumen kann der waldinteressierte Naturfreund gerade noch so nachlesen, um welchen Baum es sich handelt. Die meisten Stelen sind entfernt und nur noch die Eisen schauen aus dem Boden vor den Bäumen heraus. 

Sollten unsere Waldexperten nicht gerade solche einmaligen forstgeschichtlichen Anpflanzungen wie ihren Augapfel schonen, hüten und pflegen? Kennt überhaupt jemand an den forstlichen Fachhochschulen und Universitäten dieses Kleinod?

Wer weiß schon das westlich des Thüringer Waldes und in der Thüringischen Rhön die Geschichte der Forstwissenschaft geschrieben wurde. 

Für mich als Naturfreund war diese Exkursion in die Vergangenheit eher deprimierend und zeigt mir sehr deutlich, wie gering das Interesse des heutigen Forstes an der praktizierten Geschichte der Forstwissenschaft in Thüringen ist.